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Pflegedienst Karlsruhe: Der Pflegefall in der Familie. Leistungen beantragen, eine Übersicht

Nach den letzten uns vorliegenden statistischen Zahlen, waren in Karlsruhe gegen Ende 2015 8671 Menschen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes pflegebedürftig. Tendenz (gefühlt) steigend.

Ein Pflegefall in der Familie kann einerseits nach einem plötzlichen Krankheitsgeschehen oft überraschend kommen, andererseits kann sich ein Hilfsbedarf auch langsam zu erkennen geben. Beiden Geschehnissen bleibt eines gleich, es muss von Seiten der Angehörigen nach Hilfe gesucht werden. Wer jedoch zum ersten mal mit der Thematik Pflege konfrontiert wird, erkennt schnell, die Beantragung von Leistungen für die Pflege braucht Zeit und vor allem Wissen.

 

Wie Sie bei Ihrer Pflegekasse Leistungen beantragen

Die Pflegekasse ist in der Regel bei ihrer Krankenkasse angesiedelt. Falls sie keine Adresse der für sie zuständigen Pflegekasse haben, rufen sie bei ihrer Krankenkasse an. Fordern sie von ihrer Pflegekasse einen Antrag auf Pflegegradeinstufung an. Vergessen sie nicht, als Angehöriger oder Bekannter brauchen sie eine Vollmacht vom Pflegebedürftigen. Diese kann formlos sein und sollte natürlich in etwa so aussehen:

Hiermit bevollmächtige ich Frau/Herrn................... für mich, ........................., einen Antrag zur Einstufung bei der Pflegeversicherung zu stellen.

Nach der Antragsstellung wird die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit beauftragen. Der Gesetzgeber hat übrigens zur Bearbeitung dieses Vorgangs eine Frist von 25 Arbeitstagen im häuslichen Bereich vorgegeben. Bei Fristüberschreitung erhalten die Antragssteller für jede begonnene Woche 70 Euro. Allerdings gilt dies nur, wenn die Pflegekasse die Verzögerung nicht zu vertreten hat.

Die Begutachtung bei ihnen zuhause durch den MDK

Zur Begutachtung wird vom MDK ein Termin mit ihnen vereinbart. Dieser Termin findet in der Regel bei ihnen zuhause statt. Entweder wird sie eine Pflegefachkraft oder eine Ärztin bzw. ein Arzt zum vereinbarten Termin besuchen. Gut ist, wenn alle an der Versorgung teilnehmenden Personen bei dieser Begutachtung teilnehmen. Also Angehörige oder sonstige Pflegepersonen. Diese können dem Gutachter helfen, wichtige Informationen über die Beeinträchtigungen zu sammeln und sich so ein besseres Bild über ihre Selbstständigkeit und ihrem allgem. Gesundheitszustand zu machen. Der Gutachter geht vorallem auf nachfolgende 6 Lebensbereiche ein:

Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, selbständiger Umgang mit krankheits-oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen- sowie deren Bewältigung, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.   

Für jedes der genannten Kriterien werden vom Gutachter Punkte mit unterschiedlicher Gewichtung vergeben. Der Gesamtwert steht dann für einen der 5 Pflegegrade.

Pflegegrad, Pflegesachleistung oder Pflegegeld

Haben sie mindestens den Pflegegrad 2 erhalten, können  die Kosten für ambulante Pflegesachleistungen durch einen Pflegedienst bis zu einem Höchstbetrag (je Pflegegrad) von der Pflegekasse erstattet werden. Bei Pflegegrad 2 sind dies 689 Euro/monatlich, Pflegegrad 3 1.298 Euro/monatlich, Pflegegrad 4 1.612 Euro/monatlich und bei Pflegegrad 5 1.995 Euro/monatlich. Darüber hinaus gibt es weitere Leistungen wie z.B. den Entlastungsbetrag.

Entscheiden sie sich für das sog. Pflegegeld (Angehörige oder Freunde pflegen sie), bekommen sie je nach Pflegegrad folgende Beträge von der Pflegekasse: Pflegegrad 2 316 Euro/monatlich, Pflegegrad 3 545 Euro/monatlich, Pflegerad 4 728 Euro/monatlich und bei Pflegegrad 5 901 Euro/monatlich.

Wichtig: Pflegesachleistung und Pflegegeld können miteinander kombiniert werden.

Pflegeleistungen die durch die Krankenkasse bezahlt werden

Unabhängig von einer Einstufung in der Pflegeversicherung können Pflegeleistungen durch ihre Krankenkasse übernommen werden. Dann, wenn durch häusliche Krankenpflege ein Krankenhausaufenthalt vermieden oder verkürzt werden kann oder ein Krankenhausaufenthalt aus bestimmten Gründen nicht möglich ist. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dann für bis zu vier Wochen (in begründeten Fällen auch länger) die Kosten für Grund- und Behandlungspflege.

Auch für eine vorübergehende Pflege z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer schweren Erkrankung gibt es Hilfen von den Krankenkassen. Hierzu lassen sie sich bitte direkt bei ihrer Krankenkasse beraten oder informieren sich z.B. unter www.pflegestaerkungsgesetz.de

Unter Gesundheit verstehe ich nicht das "Freisein von Beeinträchtigungen", sondern die Kraft, mit ihnen zu leben.

                                                  Johann Wolfgang von Goethe


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 Aktualisiert: 15.03.2018