Versorgung chronischer Wunden- eine Herausforderung im Pflegedienst

Als Wundexpertin beim mobilen Pflegedienst Karlsruhe, ist Madalina Pirlog eine
gefragte Frau. Schon früh hat sich die examinierte Altenpflegerin der Initiative für
chronische Wunden e.V. (ICW) angeschlossen, um dort ihre Erfahrungen im
Wundmanagement zu vertiefen und eine Ausbildung als Wundexpertin zu
absolvieren. In diesem Artikel gibt Madalina Pirlog einen Einblick, in ihre Arbeit
als Wundexpertin in unserem Pflegedienst.

 

Was versteht man unter einer chronischen Wunde?
Wunden, die nach acht bis zwölf Wochen trotz konsequenter Therapie keine
Heilungstendenz zeigen, werden laut Expertenstandart (DNQP) Pflege von
Menschen mit chronischen Wunden als chronisch eingestuft.
Typische Kennzeichen chronischer Wunden sind eine langsame und
stagnierende Heilung, pathophysiologische Ursachen wie CVI oder eine PAVK
sowie eine untypischer Verlauf der Wundheilungsphasen. Wunden wie
Dekubital-Ulcus, Diabetisches Fußsyndrom oder Ulcus cruris venösum sind
einige bekannte und häufig vorkommende, chronische Wunden, die aufgrund
verschiedener Risikofaktoren von Anfang an als chronisch klassifiziert werden.
Risikofaktoren für eine Chronifizierung von Wunden können unter anderem sein:
Venöse Insuffizienz, Nikotinabusus, Übergewicht, Diabetes Mellitus,
Herzkreislauferkrankungen uvm.

 

Wie finden Patienten mit chronischen Wunden den Weg vom Arzt zum
Pflegedienst?
Die meisten Patienten werden direkt von ihrem Hausarzt an uns verwiesen.
Unsere Wundexpertin begutachtet dann in einem persönlichen Termin die
Wundsituation. Bewertet aber auch, welchen Einfluss Grunderkrankungen wie
z.B. Diabetes mellitus, Übergewicht oder das Rauchen auf die Wundentstehung
und den Heilungsverlauf haben. Liegt eine Grunderkrankung vor, muss diese
behandelt werden. In Zusammenfassung all dieser Informationen (der sog.
Wundnamnese) macht die Wundmanagerin einen Therapievorschlag an den Arzt
und Patienten.

 

Wie wird eine chronische Wunde behandelt?

Zunächst wird festgestellt und beobachtet, in welcher Wundheilungsphase sich
die Wunde befindet und welche wundheilungsfördernde bzw.
wundheilunghemmende Faktoren vorliegen. Auch die Behandlungsziele stehen
in der Anfangsphase im Vordergrund . Hierzu erfolgt eine Beratung vor Ort, ob
z.B. eine Druckentlastung oder ein Schutz der Wunde vor mechanischen
Belastung ( Reibung und Scherkräfte) notwendig sind.
In der Regel steht am Anfang der Wundversorgung die Wundreinigung. Hierfür
gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die lokale Reinigung der Wunde erfolgt mit
einer sterilen Spülflüßigkeit und hilft somit Verbandstoffreste, Zelltrümer und
Keime aus der Wunde auszuschwemmen. Je nach Wundbeschaffenheit und
Wundheilungphase wird der geeignete Wundverband angebracht. Grundsätzlich
werden aktuell hohe Anforderungen an Wundverbänden gestellt. Diese sollen
einen atraumatischen Verbandswechsel ermöglichen und die Wunde thermisch
isolieren. Gleichzeitig sollen Wundverbände keine Fremdstoffe abgeben wie z.B.
Fasern. Ergänzend können auch physikalische Verfahren, wie
die sog. Vakuumversiegelung angewandt werden.

 

In der Wundversorgung arbeiten Arzt und Wundmanagerin ganz besonders eng
„Hand in Hand“. Außerdem kann flankierend zur Wundversorgung, die Gabe von
Schmerzmitteln, oder bei infizierten Wunden, eine Behandlung mit Antibiotika
notwendig sein.


Wer übernimmt die Kosten der Behandlung einer chronischen Wunde?
Die anfallenden Kosten für die Behandlung einer chronischen Wunde übernimmt
die Krankenkasse. Da an der Behandlung chronischer Wunden meist
verschiedene Berufsdisziplinen beteiligt sind, hat in der Regel der Hausarzt eine
Lotsenfunktion. Ist es aus seiner medizinischer Sicht erforderlich, überweist er
Betroffene z.B. zu Gefäßspezialisten oder auch in eine Klinik.
Zur Sicherung der ambulanten ärztlichen Behandlung kann er eine Verordnung
für den Pflegedienst ausstellen. Nach Genehmigung durch die zuständige
Krankenkasse kann der Pflegedienst im Rahmen der häuslichen Krankenpflege
mit der Versorgung der Wunde beginnen.


Erstattet werden die zum Leistungskatalog der Krankenkasse gehörenden
Produkte oder Leistungen. Spezielle Therapien, wie z.B. die
Vakuumversiegelung bedürfen einer individuellen Genehmigung der
Krankenkasse.

 

Eine Erstattung durch die Krankenkasse ist übrigens unabhängig davon, ob Sie
in einen Pflegegrad eingruppiert sind oder nicht.

 

Unter Gesundheit verstehe ich nicht das "Freisein von Beeinträchtigungen", sondern die Kraft, mit ihnen zu leben.

                                                  Johann Wolfgang von Goethe


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 Aktualisiert: 15.03.2018